Das Wallfahrtsmotto „Transitus – Übergang“ im Jubiläumsjahr des heiligen Franziskus ist auch Thema der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. Nachdem Altöttings Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Klaus Metzl über die Taufe, und Altöttings Dekan und Domkapitular Heribert Schauer über die Firmung gesprochen hatte, ging es nun im dritten Teil der Reihe um das Gelübde. Prediger am 12. März in der Stiftspfarrkirche war der stellvertretende Wallfahrtsrektor in Altötting und Guardian im Bruder Konrad-Kloster, Bruder Marinus Parzinger OFMCap.
„Nackt dem nackten Christus folgen“ war der Untertitel seiner Predigt – und Bruder Marinus erklärte gleich zu Beginn des Gottesdienstes mit einem Augenzwinkern, dass es „heute so konkret nicht wird“. Zwar hatte sich der heilige Franziskus tatsächlich ausgezogen. Doch wollte der Sohn eines Tuchhändlers, als er vor dem bischöflichen Gericht von seinem Vater enterbt wurde, ein Zeichen setzen: „Er wollte frei sein und sich an die Seite der Ausgegrenzten stellen“, erinnerte Bruder Marinus in seiner Predigt.
Eine radikale Geste, die nicht jeder so nachmachen müsse, auch das machte Bruder Marinus deutlich. „Wir alle sind gerufen, dem Beispiel Jesu zu folgen und ihn nachzuahmen“, stellte er fest. Dies aber jeder auf seine Art. Die Unterscheidung zwischen Ordenschristen und Alltagschristen sei eher sekundär.
Auch muss nicht jeder Christ einen Habit mit Zingulum tragen. Bruder Marinus hob anfangs seiner Predigt die Kordel in die Höhe und erklärte, dass die Knoten am Band der typischen Ordenstracht für die evangelischen Räte Keuschheit, Armut und Gehorsam stünden. Doch auch hier komme es vor allem darauf an, diese Tugenden richtig zu verstehen.
So gehe es beim Gehorsam nicht um den Verzicht auf den eigenen Willen; bei Armut nicht um den Verzicht auf all die angenehmen Seiten des Lebens – und Ehelosigkeit meine keinesfalls Beziehungslosigkeit. Die Freude sei vielmehr das Kennzeichen christlichen Glaubens. „Jesus will, dass wir leben“, betonte Bruder Marinus. Er sei gekommen, um zu retten und zu heilen. Daher gehe es vor allem um eine „ermutigende und lebensbejahende Deutung der Gelübde“. Richtig verstanden, machten uns die evangelischen Räte „frei für ein erfülltes Leben“: sie können uns wegführen von egoistischem Streben und uns öffnen für die Ziele Jesu. Vor allem helfen sie dabei, mit Gott, mit der Welt, mit sich und mit anderen Menschen in eine positive Beziehung zu treten. So sei auch die Anekdote aus dem Leben des heiligen Franziskus zu verstehen: als er sich nackt und arm machte, habe er sein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt – und damit die Tür in ein neues Leben durchschritten.
Ein gutes Vorbild und ein radikales Beispiel, „das uns herausfordern kann“, aber nicht der einzige Übergang in ein neues Leben; Bruder Marinus fasste es so zusammen: Gelübde riefen uns zu einer Entscheidung und dann gebe es „viele Wege, Jesus Christus nachzufolgen“.
Termin der vierten und letzten Fastenpredigt
Donnerstag, 19 Uhr in der Stiftspfarrkirche Altötting:
- 19. März: Heiliger Josef: Pater David Kolodziejczyk OSPPE