Für das Organisations-Team der Altöttinger Pilgerfahrten unter der Regie der Bürger- und Touristinfo unter Leitung von Ulrike Kirnich gibt es vermutlich kein größeres Lob: „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!“ So jedenfalls äußerten sich zwei begeisterte Frauen aus Hebertsfelden. Dabei war der frühe Termin der Pilgerfahrt am 22. Februar nicht unumstritten. Sonst findet diese jedes Jahr am dritten Fastensonntag statt. Da aber am 8. März in den Kommunen gewählt wird, musste die Fahrt heuer verlegt werden. Leider waren auch die Wetterprognosen schlecht.
So pendelte sich die Teilnehmerzahl auf 200 ein. Vier Busse unter der geistlichen Betreuung von Stadtpfarrer Prälat Klaus Metzl, Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Bruder Marinus Parzinger machten sich auf den Weg in die Domstadt. Einen vierten „Kinderbus“ mit u.a. vielen Erstkommunionkindern betreute Paulinerpater Benjamin Bakowski, der für den erkrankten P. David Kolodziejczyk eingesprungen war. Auch ein Bus mit Sängern und Instrumentalisten von Kapellchor und ‑orchester fuhr nach Freising.
Bei Abfahrt regnete es stark und nur Ulrike Kirnich vertraute der Wetter-App, die ein Ende des Regens vorhersagte. Tatsächlich lichtete sich der Himmel bei der Ankunft. Eine Delegation der Freisinger und Hallbergmoser Fußpilger, die alljährlich am Pfingstsamstag zum Gnadenort nach Altötting kommen, empfing die Wallfahrer. Birgit Mooser-Niefanger, dritte Bürgermeisterin von Freising, begrüßte ihren Amtskollegen Stephan Antwerpen mit den Worten: „Ich habe extra schönes Wetter für euch bestellt.“
Nach dem feierlichen Einzug mit den Altöttinger und Freisinger Fahnenabordnungen und Standartenträgern in die Pfarrkirche St. Georg „mit seinem 84 Meter hohen Barockturm auf einem gotischen Kirchenschiff“, gab es eine kurze Führung durch die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Birgit Flegler.
Domkapitular Daniel Reichel bezeichnete den Gegenbesuch der Altöttinger Pilgergruppe als „große Ehre“. Sehr eindrucksvoll präsentiert sich seit dem Ersten Fastensonntag der Hochaltar der Kirche, verhüllt mit dem ausdrucksstarken Fastentuch mit biblischen Szenen (dargestellt von Ernst Wengert) – ein Zeichen für die 40-tägige Fastenzeit und das Matthäus-Evangelium, das von Jesu Versuchung durch den Teufel berichtet.
Altötting und die Bischofsstadt Freising verbindet eine jahrhundertelange, gemeinsame kirchliche Geschichte und lebendige Glaubenstradition. Der heilige Korbinian als Stadt- und Bistumspatron steht bis heute für Mut im Glauben, für Standhaftigkeit und Vertrauen auf Gottes Führung.
Altöttinger Pilgerfahrt – Impressionen
Altöttings Stadtpfarrer Metzl fragte bei der Predigt: „Wer bin ich eigentlich auf meinem Lebensweg?“ Dieser sei ausgerichtet auf das himmlische Paradies, betonte er und fügte hinzu: Die Fastenzeit sollten Christen zu Umkehr und Erneuerung nützen; dazu, sich mit sich selbst, den Mitmenschen und mit Gott zu versöhnen.
Nachmittags bestand die Möglichkeit einer Stadtführung „Auf den Spuren des heiligen Korbinian“ mit Besuch der Altöttinger Kapelle, Weihenstephan oder einer Führung im Dom. Die Erstkommunionkinder, begleitet von Paulinerpater Benjamin Bakowski und Gemeindereferentin Stefanie Giglberger, hatten ein eigenes Programm: eine kindgerechte Führung durch die Ausstellung im Diözesanmuseum Freising. Dabei gab’s viel zu entdecken auf den Spuren des Freisinger Bären. In einem Workshop „Der Bär ist los“ durften die Kinder ihren eigenen Bären aus Stuckgips modellieren und natürlich ihre Kunstwerke mit nach Hause nehmen.
Im Freisinger Dom begrüßte Domrektor Prof. Dr. Marc Aeilko-Aris, ein Studienkollege von Prälat Metzl, die Altöttinger Pilgergruppe. Bei der Andacht am Nachmittag, musikalisch wunderbar gestaltet vom Altöttinger Kapellchor und ‑orchester unter Leitung von Stiftskapellmeister Stephan Thinnes – sie hatten auch schon am Vormittag in der St. Georgskirche für eine hervorragende Gottesdienstgestaltung gesorgt – betonte Stadtpfarrer Metzl: Nur wer den Tod achte, der nehme auch das irdische Leben ernst – so wie es der heilige Franziskus bei seinem „Transitus“ (Übergang) vor 800 Jahren vorgelebt habe. Wer Christus in Treue nachfolge, der werde das ewige Leben und Heimat im Himmel finden.
Das Schlusswort hatte dann der erste Vorsitzende im Altöttinger Wallfahrerverein der Freisinger Fußwallfahrt, Josef Zehetmaier: Er freue sich schon jetzt auf die Ankunft am Pfingstsamstag in Altötting. Vor allem freue er sich auf einen Empfang mit einem Lächeln im Gesicht, denn wahre Christen erkenne man an der Freude, die sie ausstrahlen.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner