Die Zirkus- und Schausteller sind „Menschen unterwegs“ und sehen ihren Beruf als Berufung, anderen Menschen Hoffnung und Freude für die Dauer der Kirmes, des Volksfestes oder Gastspiels zu bringen. Alljährlich pilgern sie noch vor Saisonbeginn, dieses Jahr am 16. März in 18. Auflage, zur Gnadenmutter nach Altötting, um für eine gelingende und unfallfreie Saison zu bitten. Heuer gibt es außerdem ein Jubiläum zu feiern: seit 70 Jahren gibt es die Katholische Circus- und Schausteller-Seelsorge im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz – Papst Pius XII. hatte 1956 den Pallottinerpater Heinzpeter Schönig zum offiziellen Seelsorger ernannt.
Bei der diesjährigen Wallfahrt begleiteten Nationalseelsorger Pfarrer Sascha Ellinghaus (Bonn), Pfarrer Martin Fuchs (Berg/Opf) und Msgr. Manfred Simon (Mainz) die vorwiegend aus Nieder- und Oberbayern sowie Schwaben angereisten Pilger. Abt em. Wolfgang M. Hagl OSB aus der Benediktinerabtei Metten war Hauptzelebrant beim Gottesdienst in der Stiftspfarrkirche.
Mit Fahnenabordnungen zogen die Wallfahrer in einer Prozession zur Gnadenkapelle und schließlich in die Stiftspfarrkirche. Mit dabei war erneut Jürgen Kricke, der mit dem Vortragskreuz die Prozession anführte. Der markante Bartträger, seit über 60 Jahren Ministrant und außerdem Lektor und Kantor, stammt ursprünglich aus dem Sauerland, lebt heute in München-Sendling und ist ein bekennender Wiesn-Fan.
Wallfahrt der Zirkus- und Schausteller 2026 – Impressionen
Kapuzinerpater Bruder Berthold Oehler begrüßte die treuen Pilger-Familien aus dem Zirkus- und Schaustellergewerbe im Herzen Bayerns. „Der Herr geht mit und begleitet uns auf allen Lebenswegen“, versicherte er und fügte hinzu: „Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria bei ihrem göttlichen Sohn ist Verlass, egal was kommen mag.“
Abt em. Wolfgang M. Hagl OSB erzählte in seiner Predigt, dass er als gebürtiger Hallertauer in jungen Jahren die Volksfeste und Dulten in seiner Heimat geliebt habe: Vor allem, wenn sich auf dem Weg durch die Schaustellerbuden die Düfte von gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und Bratwürstl vermischten und die Herzen höher schlagen ließ; wenn sich bei Zirkus-Darbietungen eine fremde Welt eröffnete, die auch heute noch fasziniert. Abt Hagl nannte all dies ein „Alltags-Durchbrechen“: hier geschehe etwas Besonderes mit den Menschen, es komme zu Momenten des Glücks und der Freude. Er zitierte Papst Franziskus: „Ein Christ ohne Freude ist kein überzeugender Christ.“ Volksfeste und Dulten beschrieb Abt Hagl deshalb als Orte, die wie geschaffen seien für ein fröhliches, friedliches Miteinander. Damit dieses „Atemholen aus dem Alltag“ möglich wird, brauchten wir „Berufene“ wie die katholischen Marktleute, Schausteller und Zirkusleute. So sei gerade im Jubiläumsjahr auch den Priestern gedankt, die „das fahrende Volk Gottes“ in all den Jahren kirchlich betreuen und in Notsituationen nicht alleine ließen. Abt Hagl bat „um Schutz und Segen für die Familien und eine friedliche und gute Saison, damit die Volksfeste Orte der Begegnung und des Friedens sind und auch in Zukunft bleiben“.
Am Ende des Gottesdienstes überreichte der Nationalseelsorger Sascha Ellinghaus der Münchner Fahnenabordnung für die bereits während des Oktoberfestes 2025 geweihte, restaurierte Schaustellerfahne, nachträglich Urkunde und Fahnennagel.
Text und Fotos: Roswitha Dorfner