Was war Ihr Motiv zur Gründung der Radl-Sternwallfahrt 2023?
Bruder Marinus: Wir haben diese Wallfahrt begonnen, weil viele Menschen mit dem Fahrrad nach Altötting kommen. Das hat sich mit Corona noch gesteigert. Meine Hoffnung war, dass sich Familien oder Gruppen zu einem „Ausflug“ nach Altötting auf den Weg machen. Viele haben ein E‑Bike, so dass auch für ältere Personen das Fahrradfahren wieder attraktiv geworden ist. Zudem finde ich diese Form des Unterwegsseins fördernswert, weil es ökologisch ist. Es gab und gibt gut organisierte Fahrradgruppen, die über viele Jahre schon nach Altötting kommen, etwa die Köferinger Radpilger. Egal auf welche Weise Pilger nach Altötting kommen, sie sind willkommen.
Was bedeutet für Sie das mittlerweile fest etablierte Motto „Zur Mitte kommen“?
Bruder Marinus: Das Motto ist ein Liedvers von Kathi Stimmer. Der Liedtext beginnt jeweils mit diesen drei Worten und benennt dann Folgen daraus: dass uns das zusammenführt, wir Nähe spüren, zur Ruhe kommen, uns gegenseitig stärken, eine erfüllte Zeit haben. „Zur Mitte kommen“ ist meines Erachtens passend, weil diese Aussage vieldeutig an etwas Wichtiges erinnert: Keiner lebt für sich allein. Wir brauchen einander. Es ist gut zu wissen, worum sich mein Leben dreht, was für mich im Mittelpunkt steht: Christlich gesprochen ist es Jesus Christus. Das Motto ist eine Einladung. Konkret ist die Gnadenkapelle die Mitte unserer Wallfahrtsstadt. Pilger kommen aus verschiedenen Richtungen, sie finden hier zusammen. Das verbindet Menschen, stiftet Gemeinschaft. Für mich klingt auch an, dass ich in Balance komme, aus den Extremen raus gehe und meine eigene Mitte finde. Das gibt Kraft, das macht ruhig. Das möchte ich den Pilgern gern mitgeben.
Was nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sonst noch mit aus Altötting?
Bruder Marinus: Die Menschen erleben Gemeinschaft. Sie teilen ein gemeinsames Interesse. Sie sind alle mit dem Fahrrad gekommen und machen eine ähnliche Erfahrung. Die meisten kennen Altötting. Sie nehmen die Radwallfahrt zum Anlass, wieder nach Altötting zu kommen. Viele kommen aus dem Umland. Ich versuche mit der thematischen Gestaltung etwas Aktuelles aufzugreifen, bzw. die Menschen zum Nachdenken und ins Gebet zu bringen. 2025 ging es um den Sonnengesang. 2026 ist nochmal Franz von Assisi im Mittelpunkt, der soziale Grenzen überwunden hat und für den alle Menschen als Geschöpfe Gottes gleiche Würde haben.
Wolfgang
Terhörst
Redaktionsleiter
Mit dem Radl zu Maria
Foto: red
Zum vierten Mal findet heuer am Samstag, 12. September die Fahrrad-Wallfahrt nach Altötting statt. Höhepunkt ist eine Andacht und Segnung der Räder vor der Gnadenkapelle um 15 Uhr. „Unter dem Leitgedanken ‚Zur Mitte kommen‘ (siehe Interview) rollen wir aus allen vier Himmelsrichtungen auf den Kapellplatz zu. Wie die Speichen eines Rades in der Nabe zusammenlaufen, so verbindet auch uns ein gemeinsames Ziel“, heißt es im Programm. Und: „Eingeladen sind alle! Egal ob mit dem E‑Bike, dem klassischen Fahrrad, dem Laufrad oder dem Bobbycar – jede und jeder ist herzlich willkommen.“