14. Nikolauswallfahrt mit Weihbischof Josef Graf aus Regensburg
Der dreiwöchige Christkindlmarkt am Altöttinger Kapellplatz fand auch dieses Jahr mit der mittlerweile zur schönen Tradition gewordenen Nikolauswallfahrt ihren Abschluss. Organisator Christian Wieser sowie Wirtschaftsverbandsvorsitzende Christine Burghart freuten sich bei der 14. Auflage dieser besonderen Wallfahrts-Veranstaltung am 20. Dezember über Sonnenschein und strahlend blauem Himmel – und über mehr als 70 irdische Vertreter des heiligen Bischofs von Myra. Diese kamen vorwiegend aus dem ober- und niederbayerischen Raum – mit der größten Teilnehmergruppe wie all die Jahre aus Passau/Hals, außerdem aus der Oberpfalz und Schwaben und mit den weitest Angereisten aus dem unterfränkischen Würzburg, dem baden-württembergischen Heroldstatt und aus der Steiermark im österreichischen Nachbarland. Gemeinsam zogen sie über den Kapellplatz in die St. Anna-Basilika ein.
Die Männer mit künstlichem oder echtem Rauschebart – auch einige Frauen hatten sich unter der Nikolaus-Verkleidung versteckt – waren festlich gekleidet in den Farben Rot und Gold, Violett, Weiß und Hellblau. Sie waren „bischöflich“ ausgestattet mit Mitra, Stab und Brustkreuz.
Der Hauptzelebrant, Weihbischof Josef Graf aus Regensburg, freute sich: „Welch ein Anblick!“ Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Fast hätte ich gesagt, liebe Kollegen im bischöflichen Amt. Allerdings bin ich ja bloß Weihbischof“.
Zusammen mit Kapuzinerpater Bruder Marinus Parzinger, stellvertretender Wallfahrtsrektor und Guardian der Altöttinger Kapuziner, stand er dem Dankgottesdienst in der Sankt-Anna-Basilika vor. Die musikalische Gestaltung übernahm der Lallinger Männerchor unter Leitung von Gebhard Schöffmann begleitet von Ingrid Weißl mit der Ziach – es sangen auch zwei Nikolaus-Vertreter mit.
Nikolauswallfahrt 2025 – Impressionen
Weihbischof Graf bezeichnete das „Nikolausgehen“ als ein vorbildlich christliches und missionarisches Zeichen der Barmherzigkeit für Arme, Notleidende und Ausgegrenzte und einen Dienst, den man nicht so nebenbei tue. Gerade in der Adventszeit werde das Lukas-Evangelium (Lk 1,26−38) von der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria vorgetragen, Schauplatz dieses Geschehens an einem unbedeutenden Ort in Galiläa namens Nazareth. In dieser „geschichtlichen Stunde im eigenen Sinn“ werde uns besonders das Heilswirken Gottes gegenwärtig. Denn Gott wirke im Kleinen und auf den ersten Blick Unbedeutenden. Mit der Geburt unseres Herrn Jesus Christus durch die Jungfrau Maria sei Gott selber an Weihnachten in einem Stall in Bethlehem zur Welt gekommen. Gott komme es nicht darauf an, dass wir eine bedeutende Stellung in der Weltgeschichte erhaschen, sondern darauf, dass jeder seinen vorgesehenen Dienst im christlichen Leben vorbildlich lebt. Gerade die Heiligen wie Bischof Nikolaus ließen in der Kirche etwas spüren von der Güte und Liebe Gottes, betonte Weibischof Graf. So sei der Nikolaus-Dienst in den Familien, Kindergärten, Schulen und Altenheimen zugleich ein Glaubenszeugnis mit Verkündigungscharakter.
Nach dem feierlichen Gottesdienst und der Prozession der Nikolaus-Vertreter den Kapuzinerberg hinauf zur Gnadenkapelle wurden die vielen wartenden Kinder belohnt: Sie bekamen einen Schokonikolaus überreicht. Besonderes Lob gab es für Max, der mutig Weihbischof Graf fragte, ob er nicht dessen Bischofsstab halten dürfe.
Für Christian Wieser steht fest: Die Nikolauswallfahrt sei durch einen wunderbaren Gemeinschaftsgeist geprägt und die Nikolaus-Vertreter spiegelten die Freude am Ehrenamt wider.
Nikolaus Patrick Thielsch aus Heroldstatt/Baden Württemberg erzählte bei seiner Premierenwallfahrt: In seinen 42 Jahren als Nikolausdarsteller habe er 42.000 Euro für gute Zwecke gesammelt wie etwa für das „Aufschnaufhaus“ (eine Kurzzeitbetreuung für behinderte Kinder im Kreis Ulm) oder das Hospiz in Münsingen/Kreis Reutlingen. Und Wendelin Rehm aus Trudering, seit 1974 in den adventlichen Tagen um den Festtag des Heiligen aus Myra in München unterwegs, ist die Bedeutung des Nikolaus-Gehens auch unter der Münchner Prominenz aufgefallen: Selbst politische Größen wie der ehemals bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß, Fußball-Ikone Franz Beckenbauer oder der schillernde Modedesigner Rudolph Moshammer hätten ihm „ehrfurchtsvoll“ die Hand geschüttelt. Angesichts der adventlichen Heiligengestalt werde „aus groß wieder klein“; der Bekanntheitsgrad eines Einzelnen sei da nicht mehr ausschlaggebend. „Denn der Anblick und das vorbildliche Wirken des Heiligen Nikolaus berührt die Herzen und ruft die Heilsgeschichte in Erinnerung.“
Text: Roswitha Dorfner

