Kirche vor Ort

„Papstsekretär“ Erzbischof Georg Gänswein bei Priesterweihe in Altötting

Redaktion am 11.05.2021

Info Icon Foto: Roswitha Dorfner

Eigentlich war die Priesterweihe von Diakon Frater Stephan Waxenberger SJM durch S.E. Erzbischof Georg Gänswein in St. Pölten vorgesehen, durch die Corona-Pandemie und damit verbundene Problematik der Sicherheitsbestimmungen – betraf die Anzahl der geladenen Gäste und Einreise von Bayern nach Österreich (Waxenberger stammt aus Dorfen bei Erding) - machten eine Umplanung in eine größere Kirche erforderlich. So fand die Feierlichkeit der „Servi Jesu et Mariae“ (Diener Jesu und Mariens, abgekürzt SJM) nach kurzfristiger Entscheidung und Genehmigung in privatem Rahmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Herz-Jesu-Freitag in der Altöttinger St. Anna-Basilika statt. Bischof em. Wilhelm Schraml war als Ehrengast zugegen.

Dass Erz­bi­schof Georg Gäns­wein am 7. Mai nach Alt­öt­ting kom­me, hat sich in inter­nen Krei­sen von Kir­che und Stadt schnell her­um­ge­spro­chen. So stan­den Stadt­pfar­rer Prä­lat Dr. Klaus Metzl, Bür­ger­meis­ter Ste­phan Ant­wer­pen und des­sen Vor­gän­ger Her­bert Hof­au­er, Land­rat Erwin Schnei­der und Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de Lui­se Hell ​„Spa­lier“ um den hohen Gast aus der römi­schen Kurie und Vati­kan­stadt, bekannt als ​„Pri­vat­se­kre­tär von Vater Bene­dikt“, herz­lich will­kom­men zu hei­ßen. Die­ser mach­te es für alle Betei­lig­ten sehr span­nend, kam er doch erst kurz vor Beginn des Pon­ti­fi­kal­am­tes gegen 17 Uhr am Gna­den­ort an. Dafür hat­te Erz­bi­schof Gäns­wein eine freu­di­ge Bot­schaft zu ver­kün­den: Er kön­ne die hl. Mes­se nicht begin­nen, wie er bei Eröff­nung des Pon­ti­fi­kal­got­tes­diens­tes beton­te, ohne die ihm auf­ge­tra­ge­nen ​„Grü­ße von Vater Bene­dikt zu über­brin­gen, zuerst an die Mut­ter­got­tes und natür­lich an Sie alle. Möge die Mut­ter des Herrn vor allem unse­rem Neu­pries­ter bei­ste­hen, Herz und Hän­de über uns alle hal­ten und mit­ein­an­der segnen.“ 


Jede Zeit habe ihre Spra­che, wie Erz­bi­schof Gäns­wein als Haupt­ze­le­brant und Fest­pre­di­ger fest­stell­te. Ver­än­de­run­gen, Neu-Aus­rich­tung, in Bewe­gung blei­ben sowohl in Kir­che wie Gesell­schaft wür­den als ​„fort­schritt­lich“ bezeich­net, was so viel wie ​„in“ bedeu­te. Die Beru­fung eines jun­gen Man­nes zum Dienst in den Wein­berg des Herrn ste­he für vie­le im gegen­sätz­li­chen Trend und wer­de häu­fig als zukunfts­los abge­lehnt. Das Evan­ge­li­um vom Wein­stock (Joh 15, 1 – 8) habe eine gegen­sätz­li­che Spra­che: neun­mal kom­me das Wort ​„blei­ben“ vor. Aber eben die­ses Blei­ben ste­he nicht im Kurs der Zeit, bedeu­te doch auf der Stel­le tre­ten, nicht vor­wärts kom­men, ein Zei­chen von Schwä­che, Angst, Starr­sinn und Stur­heit: Wir ver­pas­sen etwas, blei­ben in der Zeit zurück, kom­men nicht mehr wei­ter. Man kön­ne das Gan­ze auch aus einer ande­ren Sicht­wei­se betrach­ten, ver­such­te der Fest­pre­di­ger zu erläu­tern, u.a. wenn eine Situa­ti­on brenz­lig wür­de, dann hei­ße es schnell ​„hät­ten wir doch…“ ​„wären wir doch…“ Das Wort ​„Blei­ben“ – auch gegen den Trend — habe mit Stand­haf­tig­keit zu tun, mit Treue, mein Ent­schluss steht fest: ​„Ich blei­be bei mei­nem Wort, ste­he zu dem, was ich ver­spro­chen habe!“ Erz­bi­schof Gäns­wein fol­ger­te: Wer sich für die Beru­fung als Pries­ter ent­schei­det, beim Herrn zu blei­ben, ver­deut­li­che Fort­schritt auf ande­re Wei­se. Hoff­nung auf Leben, da man mit Jesus als unse­rem Wein­stock tief ver­wur­zelt, eine Ein­heit bil­de. Der Auf­trag Jesu an den Pries­ter lau­te: ​„Die Men­schen zu Chris­tus zu füh­ren um beim Herrn zu blei­ben — dies steht und fällt mit dem Glau­ben an den Herrn.“ Die Kir­che spen­de seit alters den Segen mit dem Zei­chen des Kreu­zes, Kenn­zei­chen der Lie­be Chris­ti als Ver­ge­gen­wär­ti­gung unse­res Glau­bens. Erz­bi­schof Gäns­wein beton­te: ​„Der Pries­ter soll im Auf­trag des Herrn ein Seg­nen­der sein, sein Leben selbst unter das Geheim­nis des Kreu­zes stel­len. Dies bedeu­tet Mut und Demut zugleich.“ Der gute Rat des Erz­bi­schofs an den Neu­pries­ter: ​„Ver­trau­en Sie sich der Mut­ter des Herrn an. Hier ste­hen Sie gut, unter ihrem Man­tel im Lich­te Chris­ti und der Auf­er­ste­hung — ver­bun­den mit dem Wunsch für einen Dienst der Freu­de ein Leben lang!“

Durch die Hand­auf­le­gung des Erz­bi­schofs erfolg­te die fei­er­li­che Pries­ter­wei­he von Ste­phan Waxen­ber­ger SJM. Nach dem Wei­he­ge­bet wur­den dem Neu­pries­ter Sto­la und Mess­ge­wand ange­legt. Im Anschluss bekam der Neu­pries­ter die Pate­ne mit Brot und den Kelch mit Wein für die anschlie­ßen­de Eucha­ris­tie­fei­er über­reicht. Am Ende des fei­er­li­chen Pon­ti­fi­kal­am­tes mit eben­so fest­li­cher Gestal­tung durch ein Chor- und Instru­men­tal­ensem­ble spen­de­te vor dem Segen des Erz­bi­schofs der Neu­pries­ter zum ers­ten Mal den Pri­miz­se­gen – für den ​„der urchrist­li­chen Tra­di­ti­on gemäß“ die Gläu­bi­gen zwei Paar Schuh­soh­len durch­lau­fen soll­ten, auch in unse­rer ​„fort­schritt­li­chen“ Zeit.

Bil­der und Text: Ros­wi­tha Dorfner

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