Kirche vor Ort

Sturmamt, Sturmlitanei und Sturmlied im Gnadenort

Redaktion am 25.07.2022

Info Icon Bild: Thomas König / pbp
Die Stift­s­pfarr­kir­che St. Phil­ip­pus und Jako­bus in Altötting zählt zu den geschichts­trächtigsten Got­tes­häu­sern Bay­erns. Die "Stürmerin" hing im Glockenstuhl der Kirche.

Am 26. und 27. Juli wird alljährlich an ein Ereignis aus dem Jahre 1704 gedacht. Die große Glocke im Turm der Stiftskirche, eben die Stürmerin, begann von selbst zu läuten und so konnten die Altöttinger den Abtransport des Gnadenbildes durch den kurfürstlichen Rentmeister von Widmann verhindern.

Mit­ten im Spa­ni­schen Erb­fol­ge­krieg geriet auch Alt­öt­ting in die Drangsa­le der Kriegs­par­tei­en. Der Kapell­schatz war vor­sichts­hal­ber bereits in Burg­hau­sen hin­ter die schüt­zen­den Burg­mau­ern gebracht wor­den. Als am 27. Juli 1704 dann der kur­fürst­li­che Rent­meis­ter von Sol­da­ten beglei­tet auch die Her­aus­ga­be des Gna­den­bil­des ver­langt und hier­für einen all­ge­mei­nen Befehl aus dem Jah­re 1703 vor­legt, ver­wei­ger­te Stift­de­chant Dr. Acha­ti­us Viertl die Her­aus­ga­be. Der Dechant wur­de von zahl­rei­chen Alt­öt­tin­ger Bür­gern unter­stützt, die sich in der Gna­den­ka­pel­le ver­sam­melt hat­ten und bekun­de­ten, dass sie die Gna­den­mut­ter nicht her­ge­ben woll­ten. Schließ­lich war Alt­öt­ting durch das Gna­den­bild ein Wall­fahrts­ort und nur so durch einen Schutz­brief, aus­ge­stellt von Kai­ser Leo­pold I., vor Plün­de­rung durch sieg­rei­che kai­ser­li­che Trup­pen sicher. Der Tumult vor der Kapel­le wur­de gegen 21 Uhr noch schlim­mer, als der Legen­de nach die gro­ße Wall­fahrts­glo­cke wie von selbst schreck­lich laut Sturm” läu­te­te, was noch mehr Alt­öt­tin­ger auf den Kapell­platz strö­men ließ. Die Sol­da­ten ver­wei­ger­ten den Befehl, auf die Men­ge zu feu­ern. Der Auf­trag war das Gna­den­bild zu schüt­zen und nicht auf Unter­ta­nen zu schie­ßen. Der Rent­meis­ter muss­te ein­se­hen, dass sein Vor­ha­ben undurch­führ­bar war und unver­rich­te­ter Din­ge wie­der abziehen. 

Info Icon Bild: Roswitha Dorfner
Die historische "Stürmerin" befindet sich heute in der Vorhalle zum romanischen Portal der Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus.

Der Bei­na­me Stür­me­rin blieb der Glo­cke bis heu­te, auch wenn sie bereits außer Dienst gestellt ist. An die­ses Ereig­nis erin­nert das jähr­li­che Sturm­amt am Jah­res­tag und die Stur­m­an­dacht am Vor­tag in der Gna­den­ka­pel­le bis heu­te. Wegen der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten fin­den die Got­tes­diens­te in die­sem Jahr in der Stift­s­pfarr­kir­che statt. 

Diens­tag, 26.7.2022
18.00 Uhr Rosen­kranz – anschlie­ßend Sturmlitanei/​Sturmlied‘ am Gna­den­al­tar in der Stift­s­pfarr­kir­che (W.A. Mozart, Lau­re­ta­ni­sche Lita­nei mit Orchester)


Mitt­woch, 27.07.2022

07.00 Uhr Sturmamt/​Sturmlied‘ am Gna­den­al­tar in der Stift­s­pfarr­kir­che (W.A. Mozart, Orgels­o­lo­mes­se mit Orchester)

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