Das glauben wir

„Habt keine Angst“

Redaktion am 01.03.2024

2024 03 01 pb alb fastenpredigt altoetting paulus terwitte1 Foto: Wolfgang Terhörst
Ein kraftvoller, lebendiger Prediger: Kapuzinerpater Br. Paulus Terwitte aus München in der Stiftspfarrkirche Altötting.

Kapuzinerpater Paulus Terwitte hält die zweite Altöttinger Fastenpredigt.

Um Chris­tus die Wahr­heit“ soll­te es gehen am Don­ners­tag­abend, 29. Febru­ar, in der Alt­öt­tin­ger Stift­s­pfarr­kir­che. Kapu­zi­ner­pa­ter Br. Pau­lus Ter­wit­te aus Mün­chen hielt dazu im Rah­men des Got­tes­diens­tes eine lau­ni­ge, lehr­rei­che und nach­denk­li­che Pre­digt. Nach der Begrü­ßung durch Stadt­pfar­rer Klaus Metzl star­te­te Br. Pau­lus mit einer Anek­do­te: Bei einem Vor­ab­be­such in Alt­öt­ting vor eini­gen Tagen habe er beim Öff­nen sei­ner Auto­tür bei­na­he eine Dame gerammt. Auf sei­ne Ent­schul­di­gung hin habe die­se in nord­deut­schen Akzent geant­wor­tet. Ob sie auf Wall­fahrt hier sei? Die Dame ver­nein­te – sie lebe bereits seit 22 Jah­ren in Alt­öt­ting, aber: Hier kommt man ja sowie­so nicht rein“.

Wann gehört man dazu?“, frag­te der Pre­di­ger – selbst aus dem Müns­ter­land stam­mend –, dar­auf in die Run­de. All­zu oft begeg­ne­ten und beur­teil­ten wir ein­an­der nur vom äuße­ren Schein her, mach­ten auf dem Weg zuein­an­der plötz­lich Stopp. Je unsi­che­rer man sei, des­to mehr müs­se man sich abgren­zen – nach dem Mot­to: Du bist komisch, ich jeden­falls nicht!“ 

Was das mit Jesus und der Wahr­heit zu tun habe? Nun, erläu­ter­te Br. Pau­lus, Chris­tus sei inner­lich so sehr ver­wur­zelt, so gott­be­wusst und gott­ge­si­chert gewe­sen, dass er vor nie­man­dem Angst hat­te, dass von ihm aus kei­ne Abgren­zung erfol­gen muss­te. Bei Jesus war Zuhau­se“, beton­te Ter­wit­te. Um ihn hät­ten sich Men­schen gesam­melt, die sich bei ihm daheim wuss­ten – als Kin­der Got­tes. Die­se Wahr­heit habe Jesus den Men­schen gezeigt, zei­gen kön­nen, weil er sich ihrer so sehr bewusst war. Du gehörst nicht dazu“ sei daher die größ­te Sün­de überhaupt.

Zweite Altöttinger Fastenpredigt – Impressionen

Auch in der Kir­che, kri­ti­sier­te der Kapu­zi­ner­bru­der wei­ter, reden wir zu viel über die, die nicht da sind“, statt die zu wert­zu­schät­zen, die da sind. Und sei­en es noch so weni­ge. Jesus sei wah­rer Mensch gewor­den, damit wir ler­nen könn­ten, an ihm wie­der ganz neu Mensch zu wer­den – in Gott gesi­chert, ein­la­dend, nicht ausgrenzend. 

Dar­in liegt für Br. Pau­lus der Weg der Kir­che in den kom­men­den Jahr­zehn­ten. Wir müss­ten auf­hö­ren zu zäh­len, was wir alles hät­ten: Gebäu­de, Ämter, Kunst­schät­ze … denn: Wo die Wahr­heit ist, zäh­len kei­ne Zah­len“. Und die Wahr­heit sei ganz ein­fach Chris­tus. Nicht die Mons­tranz bete­ten wir an, son­dern das leben­di­ge Brot in ihr. Mit Jesus als Wahr­heit, so der Kapu­zi­ner, bräuch­ten wir kei­ne Angst zu haben vor dem Frem­den, dem Neu­en. Wir könn­ten viel­mehr auch in den ande­ren die Kin­der Got­tes sehen.

Ein wenig Zah­len­lo­gik frei­lich ser­vier­te der Fas­ten­pre­di­ger zum Abschluss dann doch. Er habe beob­ach­tet, dass die Säu­len in der Stift­s­pfarr­kir­che alle­samt acht Ecken hät­ten. Wis­sen Sie eigent­lich war­um?“, frag­te er und blick­te in rat­lo­se Gesich­ter. Die acht sei ein Sym­bol des Neu­an­fangs, erklär­te Bru­der Pau­lus. Am Tag nach dem Sab­bat, am ers­ten Tag der neu­en Woche – oder eben am ach­ten Tag –, sei Jesus von den Toten auf­er­stan­den, eine neue Zeit sei ange­bro­chen. Wir sind alle Men­schen des ach­ten Tages“, rief er den Zuhö­rern zu, ich wün­sche mir, dass wir eine Weg­ge­mein­schaft des ach­ten Tages sind!“ Und dabei möge Chris­tus unser Leh­rer, unser Weg­be­rei­ter, unser Leben und unse­re Frei­heit sein.

Wolfgang Terhoerst

Wolfgang Terhörst

Redaktionsleiter

Die nächsten Termine

jeweils Don­ners­tag, 19 Uhr in der Stift­s­pfarr­kir­che Altötting:

  • 7. März, Pro­vin­zi­al Br. Hel­mut Rakow­ski OFMCap: Chris­tus das Leben
  • 14. März, P. Jakob Zar­zy­cki OSPPE: Chris­tus der Herr

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